Dr. Renate Obud im Gespräch mit dem Maler Rupert Rebernig anlässlich seiner Ausstellung in Muggia (TS), 2016
„Malen ist für mich das Abenteuer der schöpferischen Gestaltung“, sagt der in Kärnten / Austria lebende Künstler Rupert Rebernig, der vom 20. Juli bis 15. August 2016 seine Werke in Muggia zeigt. „Man fühlt sich ganz gelöst, man geht im Moment auf“ – so benennt er sein persönliches Empfinden beim Malen. „Die abstrakte Malerei ist für mich eine Möglichkeit für meine Selbstentfaltung“.
Die abstrakten Maler der ersten Stunde, allen voran W. Kandinsky, hatten 1910 begonnen, die geistig-seelische Struktur hinter den sichtbaren Formen in einen schöpferischen Ausdruck zu bringen. Es war dies eine Revolution in der Malerei. Und es war eine logische Stufe in der Kunstentwicklung des 20. Jahrhunderts, abgeleitet vom Impressionismus, Fauvismus und Kubismus, denn auch diese unterschiedlichen Schulen hatten mit den traditionellen Werten der Gegenständlichkeit in der Malerei gebrochen. Von den abstrakten Malern des 20. Jahrhunderts wurde nun versucht, ganz unmittelbar die eigene Innenwelt darzustellen, die ja unendlich viel größer und vielfältiger ist, als die sichtbare Außenwelt. Das Hauptelement der abstrakten Kunst kennt weder Raum noch Zeit, sondern es ist Zeuge des Ewigen, der alles durchfließenden Lebensenergie.
Rupert Rebernig sagt über sein Kunstschaffen: „Ich verarbeite starke Eindrücke, die ich durch intensives Erleben teils in der Natur, teils in den Städten gewinne. Es sind die Farben und Formen zum Beispiel der Silhouetten von venezianischen Häusern oder einer Landschaft, einer Abendstimmung oder des Himmels bei Sonnenaufgang. Es ist meine psychische Offenheit für diese Eindrücke. Ich bin dann ganz durchlässig. Die Seele sucht immer nach Erlebnissen von satter Glücksfülle und diese erlebe ich beim Malen, wenn sich ein Hochgefühl einstellt und ich spüre, dass ich in meiner Selbstentfaltung ein intensives Freiheitsempfinden erlebe. Dies fließt in meine Werke ein.
mo(vi)mento, der Titel meiner Ausstellung steht synonym für Zweierlei:
1.) Alles fließt – panta rei – das einzig Fixe in der Welt ist, dass sich alles permanent wandelt. Meine Malerei behandelt dieses movimento. Und 2.) bietet sie zugleich den momento für eine Begegnung. Es bedarf nur der Bereitschaft zum Offen-Sein des Betrachters, um seine Seele an meinem Freiheits- und Glücksgefühl satt zu machen. Die Seele kennt kein Alter, sie altert nur dann, wenn sie sich verschließt. Sie kann ewig jung sein und sucht immer Erlebnisse satter Glücksfülle.
Und ich halte es mit Joseph Beuys, dem berühmten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts, der während seiner Ausstellung 1972 bei der documenta 5 in Kassel (D), einer der größten internationalen Präsentationen von zeitgenössischer Kunst, die gesamte Zeitdauer von 100 Tagen persönlich anwesend war, um mit den Besuchern seiner Ausstellung ins Gespräch zu kommen, um eine konkrete Begegnung nicht nur mit seiner Kunst, sondern auch mit ihm als Mensch möglich zu machen.
So werde ich während der 30 Ausstellungstage hier in der Sala Comunale d’Arte Giuseppe Negrisin anwesend sein und freue mich auf viele Gespräche mit kunstinteressierten Besuchern.

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