Prof. Leo Mazakarini, Autor und Verleger, Wien 2001
Malerei erfordert die Fähigkeit des Künstlers, Wirklichkeiten zu durchdringen und hinter den ihm begegnenden Realitäten seine eigene und letztlich eigentliche Wahrheit zu finden. Der Kärntner Künstler Rupert Rebernig verfügt über diese besondere Gabe (Gnade?) in außerordentlichem Maße: Seine Acryl-Arbeiten (diese Technik ist ganz die seine, er hat sich auf sie festgelegt, vertraut sich ihr voll an) leuchten in faszinierenden Licht- und Farbtönen imaginäre Räume aus, sind allesamt Abstraktionen, und wie gelungene Abstraktionen stets auch Psychogramme des Schöpfers dieser Werke und seiner Welt, einer an sich sehr konkreten Welt: etwa sein Erlebnis Rom, sein Erlebnis Sizilien, sein Erlebnis Venedig: Rebernig lässt uns über seine Imaginationen völlig neue, emotional nachvollziehbare in das Innere dieser Welten hineinleuchtende Reisen machen, die durchaus dynamischen Charakter entwickeln. „Venezia racconta“ oder auch „Cannaregio“ sind Musterbeispiele seiner so expressiven wie impressiven Formensprache. Gemeinsam ist diesen Bildern eine dichte, unmittelbar anspringende Sinnlichkeit ebenso wie das Hineingezogen-Werden in eine sich nur meditativ öffnende Wahrnehmung eines sich erträumenden Raum-Zeit-Kontinuums. Rebernig hat die ihm innewohnende Begabung erst spät entdeckt und war daher auch schon reif dafür, den weiteren Weg autodidaktisch zu gehen; diesem Umstand mag er es zu verdanken haben, dass die in den vergangenen zwanzig Jahren entstandenen Werke unverwechselbar eigenständig geworden sind, ja mehr noch: dass die Bilder nicht nur jeweils ihr Eigenleben zu leben imstande sind, sondern dass sie auch – allesamt als ein Gesamtwerk gesehen – ein sich mosaikähnlich zusammenwachsendes Opus magnum ergeben, das gleichermaßen Konspiraton wie Inspiration ausstrahlt. Rebernigs Modelle sind Städte und Landschaften, die er über seinen Pinsel nicht ab-bildet, sondern durch-schaut; versucht man, ihm über seine Arbeiten ein Stück des Weges zu folgen, so wird man in diesen Abstraktionen ganz unvermittelt auch Menschen begegnen, sich selbst? Die Bilder dieses Künstlers fordern mittels ihrer Magie zum Dialog heraus. Man sollte sich diesem stellen.

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